Umweltbericht der Regierung
Umweltziele des Kanton Luzerns in Frage gestellt
Wie gesund sind Boden, Luft und Wasser im Kanton Luzern? In einigen Bereichen verfehlt der Kanton die gesetzlichen Anforderungen. Und die Ziele bis 2030 sind wohl zu hoch gesteckt.
Grösstes Sorgenkind sei für ihn der Boden, sagte Umweltdirektor Robert Küng am Donnerstag vor den Medien. Der Kanton ist gemäss Legislaturprogramm zu einem haushälterischen Umgang damit angehalten. Alleine im Kanton entstanden zuletzt jährlich 66 Hektaren zusätzliche Siedlungsgebiete. Das sind drei Einfamilien-Parzellen im Tag. Ein Schwerpunkt des Legislaturziels bis 2019 ist denn auch die Verdichtung nach innen.
Auch die Qualität des Bodens bereitet Sorgen. 53 Prozent der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Diese sind teilweise stark verdichtet, etwa durch die Bearbeitung mit immer schwereren Maschinen. Das wirkt sich negativ und irreversibel auf die Fruchtbarkeit aus. Es wächst weniger, es versickert weniger Wasser und es kommt zu Erosion.
Nährstoffüberschüsse vermeiden
Damit nicht genug: Zwar ist die Nutztierdichte auf den 76'200 Hektaren, die von 4650 Bauern bewirtschaftet werden, seit 2008 stabil geblieben. Dennoch ist sie schweizweit überdurchschnittlich hoch. Nahrungsmittel für die Nutztiere werden zugekauft und bleiben schliesslich in Form von Mist und Gülle hier.
So stammen 90 Prozent der Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft. Die Folgen: Bodenversauerung, Gefährdung der Artenvielfalt und des Grundwassers durch Nitrat. Gemäss einem 2007 entworfenen Massnahmenplan sollte gegenüber 2010 die Ammoniak-Emission im Jahr 2030 um 30 Prozent auf noch rund 3000 Tonnen reduziert werden. Mit Massnahmen wie etwa Schleppschläuchen beim Güllen wurde 2015 eine Reduktion von 4,5 Prozent erreicht.
Man sei, sagte Küng, noch weit entfernt vom Ziel. «Vielleicht waren die damals gesteckten Ziele zu hoch.» Gerade in der Landwirtschaft befinde man sich in einem Spagat zwischen Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Ein Offenstall etwa bedeutet höhere Emissionen. Man sei mit den Bauern im Austausch, Ende Jahr werde ein Bericht zu Massnahmen vorgelegt.
Belastete Standorte
Eine weitere Baustelle sind die 900 belasteten Standorte, die Mensch und Umwelt gefährden können. Die Erfassung sei noch nicht abgeschlossen, gemäss Erfahrungen aus anderen Kantonen dürften rund 350 solcher Standorte – es handelt sich etwa um Schiessanlagen, Deponien oder Betriebe, in denen umweltschädliches Material verarbeitet wurde – untersuchungsbedürftig sein.
Bereits jetzt nicht erreicht werden die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft: Feinstaub, Stickoxide und Ozon. Im Auge hat der Bericht auch die Gewässer. So sind einerseits über 40 Prozent in ihrer Form zu wenig naturnah. In den kommenden 20 Jahren sollen daher 70 Kilometer revitalisiert werden.
Anderseits belastet Phosphor den Baldegger- und den Sempachersee. Um bei letzterem eine Naturverlaichung der Felchen zu ermöglichen, müsste der Phosphoreintrag halbiert werden. Verbesserungen gab es in den letzten zehn Jahren bei der Abwasserbehandlung, etwa durch die Zusammenfassung von kleineren Abwasserreinigungsanlagen (ARA), was zu höherem Reinigungsgrad führte.
10'000 Tonnen Foodwaste
Neben Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft und Wasser sind zwei weitere Herausforderungen im Bericht formuliert: Der Anteil der erneuerbaren Energien soll bis 2030 gegenüber 2007 verdoppelt und Kreisläufe beim Abfall geschlossen werden.
431 Kilogramm Abfall pro Kopf fallen im Kanton Luzern jährlich an. Diese werden je zur Hälfte verbrannt oder gesammelt. Der Hauskehricht soll gemäss Ziel auf 180 Kilogramm gesenkt werden bis 2030. Ein grosses Problem seien die Lebensmittelabfälle. Von den jährlich 10'000 Tonnen entfallen 45 Prozent auf private Haushalte. Hier soll weitere Sensibilisierung Linderung bringen.
Die Regierung will nun dort ansetzen, wo der Kanton direkt Einfluss nehmen kann: Bei der Siedlungsentwicklung, den Nährstoffüberschüssen, der Renaturierung und beim Grundwasser.
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