1000 und ein Flügelschlag
Schmetterlings-Hebamme muss ihren Traumgarten verlassen
Nicole Heimgartner setzt sich seit 12 Jahren für Biodiversität ein. In ihrem Naturgarten in Gontswil BE baute die Bernerin ein kleines Paradies für Schmetterlinge, Insekten, Vögel, Igel, Reptilien und Amphibien auf. Nun müssen Heimgartner und ihre Familie ihr Paradies rückbauen und einen Ort für einen neuen Garten finden.
Wo vor einigen Monaten noch alles lebte, flog, schwirrte und blühte, herrscht nun triste Winterruhe. «Ich bin froh, dass im Moment alles vom Schnee bedeckt ist, dann tut der Anblick nicht so weh», sagt Nicole Heimgartner. Denn ihrem Naturgarten ist nichts mehr wie zuvor. «Wir müssen bis im November 2023 alles zurückbauen und unser Zuhause mit dem Naturgarten verlassen.» Grund für den Wandel sind Uneinigkeiten mit den Vermietern darüber, was eine biodiverse Fläche sein soll.
Auch wenn es schmerzt, die über zwölf Jahre liebevoll angelegte grüne Oase, die zahllosen Tieren eine Heimat bot, zu verlassen, Heimgartner und ihre Familie wollen in die Zukunft schauen. «Für mich steht fest, dass ich einen Naturgarten brauche. Aber so ein grosses Projekt nur dann wieder umsetze, wenn wir etwas Eigenes kaufen können», sagt die Mutter dreier Kinder. «Ich möchte auf keinen Fall wieder in eine solche Situation kommen, das tut zu weh.»
«Ich habe den Anblick der Löcher im Boden einfach nicht ertragen.»
Nicole Heimgartner
Viele Tränen habe sie vergossen, zum Beispiel als Freunde und Bekannte vorbeikamen, um zahlreiche der liebevoll angelegten Pflanzen für ihre eigenen Gärten auszubuddeln. «Ich hatte auf meiner Facebookseite dazu aufgerufen und mich eigentlich gefreut, dass die Pflanzen weiterwachsen können und nicht einfach auf dem Kompost landen. Aber, ich musste immer wieder ins Haus gehen, ich habe den Anblick der grossen Löcher im Boden einfach nicht ertragen.»
Trotz aller Trauer schaut Heimgartner nun nach vorne und ist bereit. «Wenn wir etwas Neues finden, dann freue ich mich darauf, wieder loszulegen. Es gibt auch wieder viel zu entdecken, denn jeder Standort ist anders. Es kann gut sein, dass sich in einem neuen Garten nicht dieselben Schmetterlinge ansiedeln, wie hier. Man muss so einen Garten gut beobachten und auf die Gegebenheiten reagieren.»
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Die Bepflanzung richtet sich nach den Bedürfnissen der Tiere
Dass sie das schon einmal erfolgreich umgesetzt hat, beweisen die etwa 8000 Schmetterlinge, die Nicole Heimgartner pro Jahr aufzieht und in die Freiheit entlässt und, dass sich mit der Zeit sogar seltene Arten von selber angesiedelt und fortgepflanzt haben. So zum Beispiel der Malven-Dickkopffalter, der in der Schweiz auf der Roten Liste der Tagfalter und Widderchen steht und als potenziell gefährdet gilt. «Ich hatte eigentlich nicht das Ziel, diesen Falter anzusiedeln», so Heimgartner.
Sie habe Malven gepflanzt, weil die Heilpflanze wunderbar gegen Husten wirkt. «Plötzlich waren diese dicken hellgrauen Raupen und da musste ich erst einmal recherchieren, um welches Tier sich handelt.» Wie bei allen Neuentdeckungen, agierte Heimgartner sofort, machte sich über die Bedürfnisse es Malven-Dickkopffalters schlau und bot den Tieren so den optimalen Lebensraum. «Das möchte ich auch am neuen Ort wieder so machen. Schauen, was die Tiere brauchen, um sich fortzupflanzen und anzusiedeln und den Garten dementsprechend aufbauen.»
Verständnis für Biodiversität fördern
Nicole Heimgartner ist es auch wichtig, ihr Wissen über Biodiversität und das Schaffen von Lebensräumen für Insekten, Vögel und vielen weiteren Tieren, zu teilen. «Ich habe schon immer Führungen für Schulklassen, Kinder und Erwachsene gemacht. Ausserdem betreibe ich eine Natur-Spielgruppe, in der die Kinder die Wichtigkeit einer vielfältigen Natur von Anfang an lernen.» Ist der neue Naturgarten erst einmal angelegt, will sie ihr Wissen auch am neuen Ort weitergeben.
Zum Happy-End fehlt noch die passende Immobilie. «Wir sind glücklich um jeden Hinweis für ein Haus mit viel Umschwung. Es muss nicht gross oder luxuriös sein. Wir möchten auch sehr gerne etwas renovieren. Viel wichtiger ist uns der Garten. Draussen zu sein, ist unser Luxus.» Wer Nicole Heimgartner und ihre Familie unterstützen will, der findet alle Informationen auf ihrer Webseite «1000 und ein Flügelschlag».
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