Studie
Biodiversitätsschwund bedroht Menschheit
Die Menschheit riskiert einer Studie zufolge durch die Ausbeutung der Natur ihren derzeitigen Lebensstandard und sogar ihr eigenes Fortbestehen. Die Situation sei in allen Regionen der Welt dramatisch.
Die Entwicklung bedrohe weltweit Wirtschaftsräume, Existenzgrundlagen, Nahrungsversorgung und Lebensqualität, schlussfolgert die grösste Untersuchung der Biodiversität seit 2005, die am Freitag veröffentlicht wurde. Sollte sich nichts verändern, werde das erste von Menschen verursachte massenhafte Artensterben weitergehen, sagte der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrats IPBES Robert Watson der Nachrichtenagentur AFP. Biodiversität und Natur seien das Fundament für Nahrung, sauberes Wasser und Energie, so Watson. «Sie sind nicht nur unsere Überlebensgrundlage, sondern auch Herzstück unserer Kulturen, Identitäten und unserer Lebensfreude.»
Laut Studie könnten die Fischbestände in der Asien-Pazifik-Region bis zum Jahr 2048 erschöpft sein. Bis zu 90 Prozent der dortigen Korallenvorkommen werden demnach bis 2050 «starke Schäden» erleiden. Mehr als die Hälfte der afrikanischen Vogel- und Säugetierarten könnte bis 2100 aussterben. In der EU haben laut Studie nur sieben Prozent der Meeresarten eine gute Aussicht auf ein Fortbestehen.
Die IPBES-Studie umfasst vier Berichte, an denen mehr als 550 Wissenschaftler drei Jahre arbeiteten. Sie bewerteten die Situation in allen Weltregionen ausser der Antarktis und dem offenen Meer. Der unersättliche Konsum der Biodiversität hat nach Angaben der Wissenschaftler das erste massenhafte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier entfesselt. Zwei Wirbeltierarten seien in jedem Jahr des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben. Erst am vergangenen Dienstag war das letzte männliche Exemplar der Nördlichen Breitmaulnashörner in Kenia gestorben («Tierwelt Online» berichtete).
An vielen Orten der Welt trägt die Erderwärmung zum Rückgang der Biodiversität bei, schlussfolgert der Bericht. «Der Klimawandel beeinflusst die Biodiversität, Veränderungen in unserer natürlichen Vegetation beeinflussen den Klimawandel», sagte IPBES-Chef Watson. Trotz aller schlechten Nachrichten haben die Wissenschaftler Hoffnung, dass das Artensterben massgeblich abgebremst werden kann. Dafür müssten mehr Schutzgebiete geschaffen, zerstörte Gebiete wiederhergestellt und Landwirtschaftssubventionen überdacht werden. Konsumenten sollten ihren Fleischkonsum reduzieren. Für verschiedene Regionen wird es verschiedene Lösungen geben müssen, sagte Watson. «Es ist noch nicht zu spät.»
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