Eigentlich ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um Sterne zu beobachten. Die kalte Winterluft gewährt eine fast perfekte Sicht in den Himmel – sofern er nicht wolkenverhangen ist. Denn sie vermag nur wenig Wasser aufzunehmen, im Gegensatz zur warmen Sommerluft, die dadurch zu flirren beginnt und die Gestirne schnell einmal unscharf erscheinen lässt. So weit, so gut, wäre da nicht die Kälte, die das winterliche Astronomievergnügen schnell einmal mindert. 

Wer beim Aufwärmen nicht auf den Blick in ferne Welten verzichten will, ist mit dem Buch «Planeten – Mission zu exotischen Welten» gut beraten. Ihm widmet man sich am besten in der geheizten Stube, bei gutem Licht. 

Zwölf bahnbrechende Weltraummissionen
Der Bildband konzentriert sich auf zwölf bahnbrechende wissenschaftliche Weltraummissionen der NASA und der ESA. In deren Rahmen wurden alle Planeten, viele Monde sowie weitere Objekte des Sonnensystems untersucht. Von ihnen stammen auch viele der verwendeten Bilder. Ebenfalls thematisiert wird die Suche nach extrasolaren Planeten.

Wer sich vom Werk allerdings wissenschaftliche Beschreibungen mit technischen Details und Hintergrundinformationen zu den Missionen erhofft, wird enttäuscht. Denn die Texte und Steckbriefe zu Sonden und Planeten sind äusserst knapp gehalten und beschreiben lediglich, was auf den Fotos zu sehen ist. Dafür lebt das 240 Seiten starke Werk von den Fotos, dank denen man in unbekannte Welten eintaucht. 

Willkommen in der dritten Dimension!
Am meisten Spass macht das auf den Seiten mit dem Brillensymbol. Es zeigt an, dass der Griff zur 3-D-Brille angesagt ist, die dem Buch beiliegt. Ein paar Sekunden Angewöhnungszeit – und schon erscheinen etwa die 1000 Kilometer langen Risse des Cerebus-Fossae-Gebietes auf der Marsoberfläche zum Greifen nah.
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Durch die 3-D-Brille: die Marsoberfläche. (Foto: Leo Niessner)


Auch die zerfurchte Oberfläche des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko fasziniert in der dreidimensionalen Ansicht. Eine ähnliche Begeisterung müssen die Forscher im Jahr 2014 erlebt haben, als zum ersten Mal Bilder aus einer derartigen Nähe von einem Komentenkern gemacht wurden. Dazu ist im Buch zu lesen, dass sich die Oberfläche als stark strukturiert erwies, mit Flächen, Abbrüchen, Löchern, felsartigen Brocken und Halden, aber keinen Einschlagkratern.

Technische Wunderwerke
Neben den Fotos gilt das Augenmerk im vorliegenden Buch auch den Steckbriefen der jeweiligen Sonden und Raketen. Sie liefern eine Vorstellung von den Dimensionen dieser technischen Wunderwerke, ohne sich auch hier in Details zu verlieren. Wer eine Sonde bei ihrer Arbeit beobachten möchte, dem sei der Blick auf die Opportunity ans Herz gelegt – natürlich durch die 3-D-Brille: Am 4. Januar 2004 ist das Vehikel sicher auf dem Mars gelandet, nach einer über siebenmonatigen Reise. Der Schnappschuss zeigt, wie der Rover gerade seine Landeplatform verlassen hat und die ersten Meter auf der Oberfläche des fernen Planeten zurücklegt. Die Spuren im Staub wirken zum Greifen nah. 

«Planeten – Missionen zu exotischen Welten» vermag Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen in seinen Bann ziehen. Astronomie-Einsteiger finden hier eine Übersicht über die wichtigsten Missionen und Planeten. Wer bereits über astronomisches Wissen verfügt, wird über die detailreichen Aufnahmen staunen. Einzig 3-D-Fotos hätte man gerne noch mehr gesehen. 

Da das Werk in kleine Kapitel unterteilt ist, eignet es sich gut als Lektüre zwischendurch – und lässt sich weglegen, wenn man, frisch aufgewärmt, die Sterne und Planeten wieder draussen beobachten will. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie in der Wirklichkeit nicht zum Greifen nah erscheinen.  

 

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«Planeten – Missionen zu exotischen Welten»,
Berndt Feuerbacher
1. Auflage 2018 
Gebunden, 240 Seiten 
Verlag: Motorbuch Verlag, ca. 55 Franken 
ISBN: 978-3-613-04026-7