Was für einen Menschen eine ziemliche Kletterpartie ist, dürfte für den Fischotter ein leichtes sein. Marco Gerber steht knietief im eiskalten Wasser am linken Ufer der Rotache in Kiesen im Kanton Bern. Meterhoch stapeln sich Steinblöcke unter dem Brückendach. Der Hobbyforscher wird vom Wassertreter zum Bergsteiger und klettert hoch. Auf halber Höhe wird er fündig. Eine krümeliges, trockenes Kothäufchen liegt vor ihm auf einem Stein. Gerber schaltet die Taschenlampe seines Smartphones an und inspiziert die Losung ganz genau. Schaut sie von allen Seiten an und schnuppert sogar dran. Dann fotografiert er sie und packt sie ganz vorsichtig in ein Plastiksäckchen.
 
«Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass es vom Fischotter kommt», sagt Gerber ein paar Minuten später. «Es könnte so etwas wie Fischgräten drin haben. Und als ich daran gerochen habe, kam es mir etwas fischig vor.»
 
Marco Gerber ist ein Otterspotter. Ein freiwilliger Helfer im Dienst der Wissenschaft. Und seine Aufgabe ist es, Fischotterspuren zu finden. Das Projekt Otterspotter wurde 2017 von der Stiftung Pro Lutra sowie den WWF-Sektionen Bern und Solothurn ins Leben gerufen. Ziel ist es, mithilfe von «Citizen Science» – also «Bürgerwissenschaft» – die langfristige Entwicklung der Fischotter-Bestände ander Aare und ihren Zuflüssen zu verfolgen. Zwischen 30 und 40 freiwillige Helfer sind dieses Jahr zum dritten Mal dran, rund 80 Quadrate von 5 mal 5 Kilometern zu kartieren und auf Fischotter abzusuchen. Bei der letzten Kartierung 2020 wurden in sieben dieser Quadrate Otterspuren gefunden.

Otterexpertin Irene Weinberger im Gespräch

Redaktor Matthias Gräub im Gespräch mit Irene Weinberger über die Rückkehr des Fischotters in die Schweiz. Welche Chancen hat das Tier? Welche Hindernisse müssen noch aus dem Weg geräumt werden?

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